Was für ein Tag: Fahrer, Schrauber, Interviews – Rallye-Luft direkt unter der Nase …

Das Gratis-Frühstück vom Hotel erweist sich an der Rezeption als Ein-Personen-Gutschein beim Mexikaner in der Seitenstraße. Ich strahle die Nachricht Yvonne mit einem Bingo-Lächeln ins Gesicht und kümmere mich nicht weiter um den halblegalen Bluff. Warum den Morgen versauen mit schlechten Gedanken, an einem so vielversprechenden Tag! Positives Denken wird belohnt: Das Essen ist preiswert, die Auswahl toll, Kaffee wird nachgefüllt bis zum Abwinken. Kayleen genießt und strahlt. Nur von diesem Bohnenbrei, der uns noch oft begegnen wird, wissen wir nicht so recht, was wir halten sollen. Schmeckt prima aber sieht nicht nur sprichwörtlich scheiße aus. Für Assoziationen ist der Koch freilich nicht verantwortlich. Das müssen wir mit uns selbst ausmachen. Gut genährt und ebenso gelaunt gehen wir zu einem großen Parkplatz eines Hotels an der Hauptstraße nahe des Hafens. Hier weht weithin sichtbar die größte Landesfahne, die ich je gesehen habe fast wie in Zeitlupe.

Und tatsächlich: Auf dem großen Platz zwischen Häuserzeilen stehen Autos wie vom Comic-Zeichner, Persönlichkeiten aus Fieberglas, Metall und Technik mit viel Federung und hohem Radstand. Endlich traue ich mich allen Dieben dieser Welt meine Kamera zu zeigen, krame sie möglichst unauffällig aus dem Rucksack. Nochmal höflich fragen, ob wir dürfen, dann hält uns nichts mehr. Wir gehen rein und ran, Fotos, Video-Shots – es wird zum Rausch. Ein Fahrer präsentiert spontan vor meiner laufenden Kamera minutenlang einen Offroad-Flitzer gewordenen Männertraum. Wovon er im Leben träumt und was er der Welt wünscht spricht er für unsere LSD (Let`s share Dreams) Dream&Wish Collection auch noch in die Linse. Ensanada ist gerademal 14 Stunden nach unserer Ankunft bereits zu einem der großen Begriffe dieser LSD World-Tour geworden. Wow. Dann kriegen wir auch noch eine klasse Internet- und Telefon-Karte beim nationalen Anbieter Telcel. Die Bilder und Emotionen der Fahrer und Service-Teams haben uns inspiriert. Am Nachmittag suchen wir den noch größeren Platz in der Stadt, wo noch mehr Teams ihren Fahrzeugen den letzten Schliff geben. Wieder ein Interview. Diesmal darf ich mich in ein Cockpit quetschen, später ist Kayleen dran.

Das härteste Offroad-Rennen der Welt

Dass die Baja 1000 mit der Rallye Paris-Dakhar zusammen das härteste Offroad-Rennen der Welt ist, lese ich viele Wochen später bei Wikipedia. Aber an diesem Nachmittag deutet sich in den Gefühlen und Beschreibungen einiger Teilnehmer bereits an, dass es bei dieser Herausforderung sehr zur Sache geht. Dennoch ist die Stimmung locker, entspannt. Als wenn sich eine große Familie trifft und das eigentlich wichtige das Mitmachen ist. Wir planen um. Noch eine Nacht bleiben in der 280.000 Einwohnerstadt, den Start morgen miterleben, dann weiter nach Süden. Die spontane Hotelsuche wird nervig. In der rund 40 bis 50 Dollar-Preisklasse ist noch einiges trotz Rallye-Ansturm verfügbar aber mit Abstand schlechter als unser inzwischen ausgebuchtes 75 Dollar-Domizil.  Eines der Billig-Motels hat auch noch im Rallye-Fieber den Preis für diese Nacht verzehnfacht. Wir landen in dem Hotel, das direkt an unser erstes grenzt. 65 Dollar. Ordentlicher Preis. Ordentliche Unterkunft. Dennoch: Wir schwören uns, künftig früher zu buchen. Hotelsuche kann auf so einer Reise zum erheblichen Stressfaktor werden. Da bleibt möglicherweise viel Spaß und Erlebnis auf der Strecke.

Am Abend beim gepflegten Dinner in einem der schöneren Restaurants protzen einige Rallye-Fahrzeuge die Straße rauf oder runter. Hier und da sieht man Teams beim Abendessen. Die Baja 1000 liegt in der Luft. Morgen ziehen wir uns sie richtig rein …